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von Karin Hahn

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Martina Zöllner: Hundert Frauen, DuMont Buchverlag, Köln 2009, 368 Seiten, €19,95

„Wenn schon kein Kind, dann ein Buch. So hatte ich halb eingestanden, gerechnet. ... Nun würde das Buch vielleicht nachhaltig schädigen, was meine Mutter meinen guten Ruf nennen würde.“

Roberta Ostertag hat über 300 Frauen befragt und sie davon erzählen lassen, was sie nicht mal ihrer besten Freundin anvertrauen würden. Natürlich dreht sich alles um Männer, um Sex, um Verletzungen, Erwartungen und Enttäuschungen. Unter Pseudonym sprechen sich die Frauen frei und bekennen Unerwartetes. Bereits im ersten Frauenmonolog wird übers unbefriedigende Sexleben Tacheles geredet. Das macht neugierig.

Als Ich-Erzählerin, Mitte 40, lässt Roberta den Leser auch tief in ihr eigenes, kinderloses Leben blicken. Als Journalistin hat sie sich bei den Saarbrücker Neuesten Nachrichten im Ressort Bildung einen Namen gemacht. Um die Arbeit kreist ihr Alltag und um den kleinen Jonathan, den Sohn ihrer Freundin ( die auch an einem Buch schreibt, genauso wie der Chefredakteur einen Krimi und der Lokalredakteur Ansgar Schlagertexte verfasst ), den sie an den Wochenenden zu sich nimmt.

Längst sind für Roberta ein paar Züge abgefahren und sie weiß, dass vieles in ihrem Leben unumkehrbar ist. Die Protagonistin resümiert über militante Spätmütter und ahnt bei aller schützenden Distanz, dass „Vatermutterkind in einer städtischen Dreizimmerwohnung“ für sie nur der Alptraum bedeuten könnten.

Kein Kind, aber dafür ein Buch: Hundert Frauen. Doch kaum ist die Interviewsammlung nach abgedrehten Diskussionen über Titel und Cover erschienen, reißt ein gemeiner Verriss die Autorin in die Tiefe. Hinzu kommt noch eine fies eingefädelte Intrige, in der ihr ein Verhältnis mit Adrian Schwartz, dem Staatssekretär im Bildungsministerium nachgesagt wird. Roberta und Schwartz treffen sich und es kommt, wie es kommen muss, sie verlieben sich.

Lebensmodelle, Affären und heimliche Verhältnisse thematisierte Martina Zöllner bereits in ihrem Debütroman „Bleibtreu“. Aber die Autorin, die in Baden-Baden lebt und als Redakteurin beim SWR arbeitet, wählt nicht den ironischen Ton, sondern den scharfen Blick in die Wirklichkeit mit Gefühl. Robertas Kampf um ihren Roman wird zum Kampf gegen die Windmühlen der unberechenbaren Medienlandschaft.

Martina Zöllner hat ein Buch im Buch geschrieben. Dabei wird die Ich-Erzählung immer wieder von Gedichten, Interviews, Zitaten, Schlagzeilen und Rezensionen unterbrochen. Unterschiedliche Sprachstile fließen ein, aber auch ständige Perspektivwechsel, die eine unglaubliche Dynamik erzeugen und der gut beobachteten realistischen Handlung Tempo verleihen. Dieses Buch legen Mann oder Frau erst dann weg, wenn die letzte Seite umgeschlagen ist.

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