REZENSION

von Karin Hahn

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Fred Vargas: Der verbotene Ort, Aus dem Französischen von Waltraud Schwarze, Aufbau-Verlag, Berlin 2009, 423 Seiten, €19,95

„Wie ein Vampir würde er hier sterben, mit versiegeltem Mund und aneinandergebundenen Füßen. So können sie nie wieder herauskommen. Aber Peter Plogojowitz, der hatte es geschafft.“

Wer sich auf diese morbide Kriminalstory einlässt, muss starke Nerven besitzen. Die Freude an einem erneuten Wiedersehen mit Adamsberg, dem wortkargen und Fremdsprachen nicht gerade zugetanen Kriminalkommissar, wird gleich durch den ersten seltsamen Fall gesteigert. Während eines Kolloquiums in London haben sich vor dem Friedhof Highgate sechzehn Paar Schuhe und ein einzelner unterschiedlichen Alters samt Füßen, säuberlich am Knöchel abgetrennt, postiert. Der Leiter der Pariser Brigade criminelle und seine Kollegen sind allesamt geschockt, zumal die verwesten Teile vor dem Eingang stehen und Einlass zu ihrem Herrn und Meister, Bram Stoker, erbitten. Doch nicht genug, in Paris geschieht ein grausiger Mord. Der Körper des wohlhabenden Journalisten und Gerichtsreporters im Ruhestand, Pierre Vandel, wird in 460 Teile zerschlagen, zerschnitten, zersägt, im wahrsten Sinne des Wortes zerquetscht. Adamsberg ahnt, dass nicht der Gärtner Emile Feuillant, der als Alleinerbe eingesetzt wurde und nicht der leibliche Sohn des Toten, der Mörder sein kann. Vandel hat seinen Sohn aus unergründlichen Ursachen von Beginn seiner Geburt an von sich fern gehalten. Ein ähnliches grausiges Massaker hat sich in der gleichen radikalen Form bereits in Österreich zugetragen. Doch plötzlich beginnen sich die Ereignisse zu verselbstständigen. Adamsberg gerät in eine Falle. Der Zerquetscher, so nennt Adamsberg den Mörder, taucht auf und behauptet Adamsbergs Sohn zu sein. Der angebliche Vater erstarrt zur Salzsäule und lässt den mutmaßlichen Mörder laufen. Langsam wird klar, zwischen den grausigen Füßen in England und den Morden auf dem europäischem Festland gibt es eine Verbindung.

Unglaublich schnell knüpft Fred Vargas ein Gespinst aus Indizien, Verdächtigungen und Zusammenhängen, die Adamsberg nach Serbien, in den Ort Kisilova, führen. Hier befindet sich das Grab des Peter Plogojowitz, einer Vampirlegende, die ihre Arme bis in die jetzige Zeit ausstreckt. Aberglaube, mystischer Glaube, Wahn, Familienfehden?

Adamsberg spürt den nahen Tod in einer Gruft durch die Hand des angeblichen Sohnes. Der Kommissar fühlt sich schuldig, denn der Gedanke, dass der Zerquetscher, vielleicht doch sein Sohn sein könnte, raubt ihm fast den Verstand. Sein Sohn – ein aggressiver, mitleidloser, wahnsinniger Mörder?

Atemberauben spannend liest sich der neue Adamsberg-Fall, bei dem aufs Neue die eigene Vergangenheit den Kommissar auch in der Person des ehemaligen Kollegen Veyrenc einholt. Höhere politische Mächte mischen mit und doch endet alles in irdischen Gefilden fern jeglicher Vampirlegenden, die nach wie vor nicht nur im Jugendbuch offensichtlich ihre begeisterten Anhänger finden.

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