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von Karin Hahn

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Krimi

Hakan Nesser: Mensch ohne Hund – Ein Fall für Inspektor Barbarotti, btb Verlag, Taschenbuch, München 2009, 542 Seiten, €10,00

„Manche Familien ertragen eine Katastrophe, hatte er irgendwo gelesen, andere nicht.“

Hakan Nessers neuer Roman liest sich nicht wie ein Kriminalgeschichte. Zu Beginn stellt sich eher der Eindruck ein, da schaut jemand tief in die Abgründe der nach außen hin intakten, gut situiert scheinenden schwedischen Familie Hermansson. Nach und nach jedoch fallen die Hüllen. Das Lehrerehepaar Rosemarie und Karl-Erik sind schon ewig verheiratet und leben in dem kleinen Ort Kymlinge. Er ist in Pension gegangen und sie wollen gemeinsam Schweden den Rücken kehren, um im sonnigen Spanien zu leben. Seine Idee, nicht ihre. Sie hat sich innerlich von ihm gelöst und würde, wer weiß wie lang schon, gern eigene Wege gehen. Doch sie bringt nicht die Kraft auf. Karl-Erik feiert seinen 65. Geburtstag und seine Tochter Ebba den Vierzigstens. Ein Familienfest ist geplant, zu dem auch Sohn Walter und Tochter Kristina mit Mann und Kind eingeladen sind. Walter ist ein Looser. Er schreibt an seinem Roman „Mensch ohne Hund“ und findet keinen Anker. Außerdem hat er sich als Kandidat einer schwedischen Dschungelcamp-Variante vor aller Welt unmöglich gemacht. Nur Kristina steht noch auf seiner Seite und natürlich Mutter Rosemarie. Allen handelnden Figuren graust es vor dem Zusammensein, denn die Familie, wie so viele andere, hat sich einfach nichts zu sagen. Die Mütter lieben ihre Söhne zu sehr oder nur wenig, die Männer müssen etwas darstellen, sonst landen sie wie Walter im Aus. Walter reist zwar an, doch er erscheint nicht zur Feier. Der heißgeliebte Überfliegersohn von Ebba, Henrik, verschwindet nach der Party. Beide sind wie vom Erdboden verschwunden und niemand kann sich erklären, was geschehen ist. Der Ausgangspunkt ist aufregend, nur dann hängt der Plot langatmig über eine weite Strecke durch bis er kurz vor Ende wieder Fahrt aufnimmt.

Inspektor Gunnar Barbarotti, italienischer Abstammung und irgendwie auf der Suche nach Gott, übernimmt den Fall. Der diskrete, angenehme Barbarotti lebt mit seiner 18 Jahre alten Tochter allein. Nebenher hat er noch eine Beziehung und scheint dem Leben wieder Lust abzugewinnen.

Das Verschwinden von Walter und Henrik spült alle so wohl gehüteten Konflikte zwischen den Familienmitgliedern an die Oberfläche. Vieles zerbricht, anderes versinkt im Alkohol und in häuslicher Gewalt.

Hakan Nesser legt den Finger in die Wunde, seine Figuren entwickeln ein Eigenleben und überzeugen.

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