REZENSION

von Karin Hahn

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Krimi

Donna Leon: Das Mädchen seiner Träume, Aus dem Amerikanischen von Christa E. Seibicke, Diogenes Verlag, Zürich 2009, 352 Seiten, €21,90

„Das Labor hatte über zwanzig Aufnahmen gemacht, und auf allen lag das Mädchen da wie ein Prinzessin aus dem Märchen. Ihr verfilztes, goldblondes Haar umrahmte das Gesicht wie ein Heiligenschein.“

Die Welt wird nicht besser. Venedig stöhnt unter der Last der alljährlich anreisenden Touristen. Was, wenn erst die ganzen Chinesen kommen? Das Gemüse ist auch nicht mehr das, was es mal war und die Märkte mit ihren frischen Waren verschwinden langsam. Und nicht mal den korrupten und geldgierigen Männern der Kirche kann man noch trauen, was eigentlich kein Geheimnis ist.

Zu Beginn des Romans trägt Commissario Brunetti seine Mutter zu Grabe. Auch am Ende des siebzehnten Falls wird Brunetti mit Vianello wieder auf dem Friedhof stehen. Beide geben der elfjährigen Ariana Rocich das Geleit, die sie aus dem Canal Grande gezogen haben. Das Roma-Mädchen, dass doch so gar nicht wie ein Zigeunerkind aussieht, ist ertrunken. Wurde sie gestoßen, war es ein Unfall? Fragen bleiben offen, die Brunetti bis in seine Träume verfolgen. Eins ist klar, sie ist in einen Palazzo eingedrungen und hat eine Uhr und einen Ring gestohlen. War sie allein? Wer hat sie gesehen? Niemand hat dieses Kind vermisst. Wo leben ihre Eltern?

Brunetti beginnt die Spuren des Kindes, das niemand vermisst, zu verfolgen und stößt in jeder Richtung, ob bei den Carabinieri, der Sozialarbeiterin und sogar in der Roma – Wagenburg auf dem Festland auf Gegenwehr. Nicht mal die geschädigte Orsola Vivarini, die von dem Tod des Kindes in der Nähe ihres Hauses Kenntnis hatte, fragt nach der Toten.

Eine kalte Welt schlägt Brunetti entgegen und das ist ja eigentlich nichts Neues. Brunettis Leben im Vergleich zum Nomadenleben der Zigeuner bewegt sich in klaren Bahnen. Abgrundtief entsetzt über den gesetzesfreien Raum der Roma ist Brunetti als er von der Geschlechtskrankheit des Mädchens erfährt.

In ihrer Ablehnung wirken alle Figuren sehr statisch und es scheint so als könnte Brunetti diesen Fall zu keinem Abschluss bringen. Irrtum – die Familie des Kindes kümmert sich zwar nicht um den freigegebenen Leichnam, doch Rache fordern sie.

Nachdenklich, aber ohne Spannung ziehen diese beiden Fälle, der erste über den korrupten Laienprediger verliert sich irgendwann, so dahin, in denen Signorina Elettra wieder helfend eingreift. Hilflos rudern Brunetti und Vianello, der mit seinen Vorurteilen kämpfen muss, durch diesen Plot und finden doch keinen richtigen Boden unter den Füßen. Am Ende bleibt ein mitfühlender Commissario, der in seinem Beruf die Routine noch lange nicht kennt.

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