REZENSION

von Karin Hahn

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P. D. James: Ein makelloser Tod, Aus dem Englischen von Walter Ahlers und Elke Link, Droemer Verlag 2009, München, 553 S., €19,95

„Es war keine Frage des ausdrücklichen Misstrauens, eher breitete sich eine Atmosphäre des Unbehagens aus, das zunehmende Bewusstsein, dass man andere Menschen nicht kennen konnte, nicht wissen konnte, was in ihren Köpfen vorging.“

Die Enthüllungsjournalistin Rhoda Gradwyn, eine Frau, die sich aus eigener Kraft ganz nach oben gearbeitet hat, begibt sich in die südenglische Grafschaft Dorset, um sich dort eine hässliche Gesichtsnarbe entfernen zu lassen. Nie wurde über diese Narbe gesprochen, die ihr stetig betrunkener Vater ihr als Kind zugefügt hatte. Der medizinische Eingriff in der Privatklinik von George Chandler-Powell verläuft ohne Komplikationen. Rhoda Gradwyn kommentiert den Grund für die Entfernung der Narbe mit rätselhaften Worten. Sie benötige diese Narbe nicht mehr.

Doch kaum ist die Operation ohne Probleme verlaufen, wird die Frau in mittleren Jahren erwürgt. Hat sie vor ihrem gewaltsamen Tod recherchiert und wollte die Klinik in Verruf bringen? Jeder im Haus, von der Krankenschwester über das Küchenpersonal bis hin zur Verwalterin Helena Cressett, alle Personen, kommen für diese Tat in Frage. Der Londoner Scotland-Yard-Commander Adam Dalgliesh, der gerade seinen künftigen Schwiegervater kennenlernen durfte und die Literatur liebt, muss diesen Fall übernehmen. In bester Agatha-Christie-Manier werden nun die Verdächtigen im hochherrschaftlichen Landhaus in der Bibliothek verhört.

P.D. James lässt es sich nicht nehmen, jeder ihrer literarischen Figuren eine ausgedehnt beschriebene Biographie anzudichten. Langsam entspinnt sich unscheinbar im Hintergrund ein roter Faden, an dem die Autorin mit ihrem Hang zu detailgenauen Beschreibungen sich nur entlanghangeln muss. Schnell ahnt der Leser, wer unter Verdacht steht, aber immer wieder denkt sich Phyllis Dorothy Baroness James of Holland Park, die 89 Jahre alte Schriftstellerin, neue Umwege aus, um den Leser erneut in die Irre zu führen.

Spannend sind gerade die Personenbeschreibungen, das Ausloten der Tiefen menschlicher Psyche und der gesellschaftlichen Umstände, die Menschen in die Enge treiben und sie zu Mördern werden lassen.

Es geht um Enttäuschungen, falsche Erwartungen, Fehltritte und vor allem um Rache.

Ein zweiter Mord geschieht und die Karten werden neu gemischt.

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