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REZENSION von Karin Hahn |
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BOOK REVIEWS WINTER 2010 Belletristik HORBUCH JUGENDBUCH KALENDAR |
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Biografische Literatur Jean - Louis Fournier: Wo fahren wir hin, Papa?, Deutscher Taschenbuch Verlag, premium, München 2009, 156 Seiten, €12,90 „Wir fahren bergab. Gerade gegen die Wand. Erst ein behindertes Kind, dann zwei. Warum nicht drei.... Damit habe ich nicht gerechnet.“ Jean-Louis Fourniers trockene, spottende und so ehrliche Art über seine geistig und körperlich behinderten Söhne Mathieu und Thomas zu schreiben, berührt zutiefst und lässt einem das Lachen im gleichen Augenblick im Halse stecken bleiben. Spott, Witz und vor allem Sarkasmus dienen dem Autor als Lebenselixier, um mit seinem Schicksal umgehen zu können, dass wie er sagt, in keinem rührseligen Film jemals thematisiert werden würde. Alle Welt erwartet vom Vater zweier behinderter Kinder eine bittere, ja traurige Miene. Da kann er nur passen. Keine Frage, Fourniers Kinder sind zwei „kleine zerzauste Vögel“, aber kein Grund zum Heulen. Er liebt sie, auch wenn er sich selbst als schlechten Vater bezeichnet. Mathieu ist wie eine Stoffpuppe, er kann sich nicht aufrichten und so fabuliert der Autor über die künftigen Berufschancen des Sohnes. Er könnte Automechaniker werden, die liegen auch nur den ganzen Tag unter dem Gefährt. Der Junge hat kein Interesse fernzusehen. Lakonische Bemerkung des Autors, der als Humorist beim Fernsehen arbeitet: „Ist auch nicht nötig, er hat es auch so zum geistig Behinderten gebracht.“ Ist das komisch? Irgendwie schon. Fournier spielt immer wieder Situationen durch, in denen die Kinder einfach nur Kinder sind, die man von der Schule abholt und nach dem Unterricht fragt. Alle Vorstellungen und Wünsche, die Eltern mit ihren Kindern verbinden, bleiben für den Autor und seine Kinder versperrt. Keine gemeinsamen Leseerlebnisse, keine Musik, die man ihnen vorspielen könnte, keine dicken Fotoalben. Hinter vielen Alltagssituationen, die der französische Autor auf witzige Weise durchspielt, schimmern die wahren, erschütternden Zustände durch. Doch eins will Fournier auf gar keinen Fall, Mitleid. Jean-Louis Fournier registriert sarkastisch und getroffen die Reaktionen der Umwelt auf seine Kinder. Wie hilflos sind die Eltern, die sich mit den Dummheiten und Gefühllosigkeiten von Verwandten und Freunden herumschlagen müssen. In diesen Passagen trifft der Autor sicher ins Schwarze und holt den Leser auf seine Seite. Keine leichte Lektüre und doch erzählt dieses Büchlein auf besondere Weise von einem ungewöhnlichen Lebensalltag, den zu meistern und vor allem zu beschreiben nicht jedem gegeben ist. Jean Louis Fournier hat für sich einen Weg gefunden.
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