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von Karin Hahn

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Gerard Donovan: Winter in Maine. Roman. Aus dem Englischen von Thomas Gunkel, Luchterhand Literaturverlag, München 2009, 208 Seiten, 17,95 Euro

„Als ich am Morgen erwachte, war seine Schnauze an mein Gesicht geschmiegt.“

Julius Winsome lebt allein und zufrieden tief in den Wäldern Maines, am nördlichsten Punkt der USA. Er liebt diese Einsamkeit und seine 3282 Bücher, die er wie das Haus vom Vater geerbt hat. Im Sommer schlägt sich Julius mit Gelegenheitsarbeiten durch, um im Winter zu lesen. Freund und Gefährte, Claire, seine einzige Liebe hat sich für einen anderen Mann entschieden, ist ihm Hobbes, sein Hund, eine Mischung aus Pittbull und Terrier. Mit Claire hatte Julius seinen Hund noch aus dem Tierheim geholt. Nun hat ein Jäger seinen Hund, benannt nach dem Staatstheoretiker Thomas Hobbes, einfach so erschossen, geradezu hingerichtet. In Julius, der am liebsten Shakespeare zitiert, brennen alle Sicherungen durch. Beim Lesen erstarrt man dann auch kurzzeitig als Julius plötzlich die Waffe seines Großvaters holt und wahllos Jäger, die ihm vor die Mündung kommen abknallt. Erst im Nachhinein fragt er: „Hast du diesen Hund erschossen?”

Aus der Einsamkeit und Passivität herausgerissen, wirkt Julius erschreckend abgebrüht. Taktisch klug geht er vor, um sich zu rächen. Seltsamerweise hat Julius den Leser hinter sich, denn er hat den schweren Moment miterlebt, den Julius beim Anblick seines sinnlos getöteten Hundes durchleben musste. Erinnerungen steigen auf und Julius sieht die vertraulichen Stunden mit dem Vater vorbeiziehen, denkt an die glückliche Zeit mit Claire.

So geht Gerard Donovan der Frage nach, was Trauer und Verlust mit einem Menschen anstellen. Der Leser kann genau in Julius' Gedankenwelt eintauchen, denn der amerikanische Autor erzählt aus der Ich-Perspektive seiner Hauptfigur. Ein Mord nach dem anderen geschieht und Julius verspürt keine Gewissensbisse.

Gerard Donovans Handlung in „Winter im Maine“, im Original heißt der Roman treffender „Julius Winsome“ verunsichert zum einen, ist aber atmosphärisch so dicht und sprachlich faszinierend, dass dieses Buch zu denjenigen gehört, die man immer wieder – vielleicht im Winter - aus dem Regal holen wird, um Julius Winsome erneut zu begegnen.

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