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von Karin Hahn

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Alan Bradley: Flavia de Luce – Mord im Gurkenbeet, Aus dem Englischen von Gerald Jung, Katharina Orgaß, Penhaligon Verlag, München 2009, 384 Seiten, €19,95

„Es war nicht so sehr das, was ich in seinem Zimmer gefunden hatte, als das, was ich nicht gefunden hatte.“

Die 11-jährige Flavia de Luce lebt scheinbar sorglos mit ihren zwei älteren Schwestern ( mit ihnen allerdings im permanenten Kriegszustand ) und dem Vater, Colonel de Luce, auf Buckshaw. Eines morgens früh gegen 4 Uhr findet das Mädchen einen Toten im Gurkenbeet. Im letzten Moment haucht er ihr ein Wort zu: Vale. Den rothaarigen Mann, Horace Bonepenny, hatte Flavia zuvor im Haus mit ihrem Vater streiten hören und das Gespräch auch belauscht. Der ungebetene Besucher beschuldigte den Vater und dieser gab zu, am Tod eines anderen Menschen schuldig geworden zu sein. Am Tag zuvor lag eine tote Zwergschnepfe mit einer Briefmarke im Schnabel vor der Tür. Flavias Vater schockierte diese seltsame Botschaft, zumal Schnepfen im Juni nicht in England durch die Luft schwirren. Flavias kriminalistische Ambitionen sind geweckt, zumal sie sich sowieso äußerst gern mit ihren Lieblingsthemen Chemie und die Zusammensetzung von Giften beschäftigt. Die hiesige Polizei schaltet sich ein und Flavia weiht Inspektor Hewitt ab und zu in ihre Ermittlungen ein. Die kleine Detektivin kann jedoch ihre Recherchen nicht im Internet anstellen, sie muss mit ihrem Fahrrad namens Gladys in die Bibliothek radeln, um im Jahre 1950 in alten Zeitungen zu blättern. Der Tote, Twining, der „olle Teebeutel“, ein Lehrer, von dem ihr Vater sprach, verstarb vor 30 Jahren. Flavia findet die Information in der Presse und weiß nun auch, dass dieser Twining vom Turm der Schule aus Selbstmord begangen hat oder war es doch Mord? Und was hat das alles mit dieser orangefarbenen Briefmarke, von der nur zwei Exemplare existieren, zu tun? Flavia durchsucht fremde Zimmer und wühlt in der Vergangenheit, denn nur hier kann der Schlüssel für die gegenwärtigen Ereignisse zu finden sein. In Rückblenden und Erinnerungen, es geht um Zaubertricks, miese Komplizen, Erpressung und die Liebe zur Philatelie, reihen sich Geschichten und Motive aneinander, die Flavia zum Täter führen werden. Allerdings bringt sie sich durch ihre schnelle Kombinationsgabe am Ende in höchste Gefahr.

Wohltuend altmodisch verstaubt liest sich dieser englische Krimi, in dem es auf althergebrachte, äußerst spannende Weise darum geht, wer der Mörder ist und was das alles mit Flavias Vater zu tun hat. Skurrile Nebenpersonen mit ihren Schrullen schmücken die Handlung und führen den Leser auf falsche Spuren. Immer wieder spielt Alan Bradley in seinem hervorragenden Debütroman auf englische Literatur, aber auch auf Schauspieler und Zeitgeschichtliches an und lässt seine etwas altkluge, einfallsreiche und dabei doch auch einsame Protagonistin in Monologen ein paar sarkastische Gedanken formulieren. Aufregend ist die Story allemal, denn nichts ist so wie es zu Beginn scheint. Neben vielen anderen Detektivinnen, ob sie nun Harriet bei Louise Fitzhugh oder Ingrid bei Peter Abrahams heißen, dieses junge Mädchen lässt sich nicht so schnell in die Enge treiben und eins ist sie auf jeden Fall, sehr mutig.

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