REZENSION

von Karin Hahn

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William Boyd: «Einfache Gewitter». Deutsch von Chris Hirte, Sprecher: David Nathan, Der-Audio-Verlag, Lesung, Berlin 2009, 6 CD(s) - ca. 480 min, €24,99

„ Es bewies ihm einmal mehr, dass die unendlich vielen Verbindungslinien zwischen zwei Einzelwesen fast immer unerkannt blieben. Ein riesiges Netzwerk der möglichen, der wahrscheinlichen der beinahe stattgefundenen Begegnungen.“

Adam Kindred, US-Amerikaner, Klimatologe - alias John 16-03, alias Primo muss durch eine harmlose Begegnung in einem italienischen Restaurant und eine vergessene Mappe mit brisanten Unterlagen von einer Minute auf die andere untertauchen und seine Identitäten wechseln. Der Mann, dem er die Papiere zurückbringen will, wird erstochen und Adam gerät als Mörder unter Verdacht. Adam, der bisher eher in die Wolken sah und das Wetter beobachtete, ein biederes Akademikerleben führte, eine Scheidung hinter sich gebracht hatte und nun in London einen neuen Job finden wollte, vegetiert plötzlich nah der Themse als Penner vor sich hin. Er wird ausgeraubt, drangsaliert, er hungert und lernt die Prostituierte Mhouse kennen, die ihm nur hilft, wenn sie einen Nutzen davon hat und sinkt immer tiefer. Es ist ein Abstieg, der fast unvorstellbar ist und Adam an die Grenzen des Möglichen treibt. Dass Adam in einen internationalen, sich anbahnenden Pharmazie-Skandal verwickelt ist und einen Auftragskiller am Hals hat, dahinter gelangt er nur langsam. Mal hilft der Zufall, mal der Tod eines Menschen, in dessen Leben Adam, auch wenn es auf Betrug aufgebaut ist, hineinschlüpfen kann. Geschickt hangelt sich Adam mit neuem Pass wieder in das sogenannte normale Leben mit Wohnung, Kreditkarte und Freundin ( sogar Polizistin, sehr konstruiert ) zurück, um dann manipulativ in das Geschehen um das neue Asthma-Medikament des Pharma-Moguls Ingram Fryzer einzugreifen. In seinem Thriller verbindet Boyd geschickt die extrem unterschiedlichen Gesellschaftsschichten und schaut genau hin. Hass, Gewalt und Betrug nehmen sich in beiden nichts.

Als hochgelobten Autor erwartet der Leser / Hörer doch viel von William Boyd. Aber diese Story ist an vielen Stellen zu glatt, zu vorhersehbar und ein Gliffhanger macht sie nicht spannender. Szenisch kann man beim Hören den Film bereits vor Augen sehen. David Nathans Stimme zu lauschen, ist ein absoluter Hörgenuss, denn er gibt jeder Figur ihren Charakter und das mag beim Hören sogar noch anschaulicher sein als beim Lesen.

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