REZENSION

von Karin Hahn

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WINTER 2010

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KALENDAR

ARCHE LITERATUR

WOLF ERLBRUCH

Arche Literatur Kalender 2010, Arche Kalender Verlag, Hamburg 2009, 61 Blatt, 54 Fotos. Vierfarbig, € 19,–

„Der Traum, Schriftsteller zu werden, kommt vom Lesen, von der Liebe zum Lesen.“

Susan Sontag

Schriftsteller und ihre Leidenschaften für Bücher und das Lesen, das sind die Themen, die im literarischen Kalender für das Jahr 2010 Woche für Woche immer aufs Neue variiert werden. Da sitzen John Updike, Georg Bernard Shaw oder Friedrich Dürrenmatt an ihren Schreibtischen, mal nur mit einem Stift in der Hand oder an einer uralter Schreibmaschine hinter Bergen von Papier und grübeln. Andere stehen dekorativ vor ihren Bücherwänden, wie z.B. Heinrich Böll. Für ihn ist nicht nur die Liebe zum Schreiben wichtig, sondern auch die zum Lesen. Er vergleicht die es Gefühl sehr bildlich mit einem Stromschlag, der durch den Körper hindurchfährt, wenn das Buch den Leser packt. Fabrizia Ramondino dagegen ist fasziniert vom Papier ihrer Kindertage: „Doch warum schreibe ich weiter in diese Hefte meiner Kindheit, auf dem Flohmarkt erstanden, mit schwarzem Einband, mit winzigen Rauten, mit rotem Rand und Linien für Erst-, Zweit-, Dritt-, Fünftklässler, oder in karierte Rechenhefte?“

Es ist der Zauber der ersten festgehaltenen Worte und ihre Entdeckung, die die Autorin immer noch begeistern und fesseln. Und doch treibt viele auch das weiße Blatt um und das erste Wort, wie Inger Christensen.

Heute ist der kühle Laptop, nicht aller aber vieler Autoren, der ständige Begleiter. In früheren Zeiten eher die anmutige Sekretärin, so wie auf dem Foto mit Arthur Koestler. Cynthia Jefferies jedoch wurde auch Koestlers dritte Ehefrau und mit ihr ging er 1983 in den Tod.

Heinrich Mann liest am Abend im Bett langsam und voller Bewunderung die „reiche Dichtung“ seines Bruders Thomas und dieser bewiundert „Jugend des Königs Henri Quatre“. Mark Twain suchte sich ebenfalls einen ernsthaften Kritiker für seine fiktionale Biografie „ Persönliche Erinnerungen an Jeanne d'Arc“ - seine Frau. Sie allerdings schwieg auch eisern noch nach der sechsten Neufassung.

Schreiben und Lesen als Überlebensstragie – beides für die junge Anna Seghers im Exil unerlässlich.

Immer wieder neue Einblicke gewährt dieser wunderbar gestaltete Literaturkalender für bibliophile Menschen und diejenigen, die es werden wollen. Hinter aufgetürmten Bücherbergen schaut Agatha Christie hervor und behauptet: „Schriftsteller haben zu schreiben, nichts weiter.“ Wir schauen sie uns in allen Lebenslagen an und teilen ihre Leidenschaften, zumindestens fürs Lesen.

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