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REZENSION von Karin Hahn |
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BELLETRISTIKJoanna Trollope: Immer freitagabends, Übersetzung aus dem Englischen von Angelika Kaps, Bloomsbury Verlag, Berlin 2008, Gebundene Ausgabe, 352 Seiten, €19,90 „Es hätte ewig so weitergehen können, dachte Paula später, die Begegnungen im Geschäft, das Aneinandervorbeigehen, ohne zu reden, wenn Eleanor nicht eingegriffen hätte.“ Eleanor ist nach einem erfüllten beruflichen Leben in den Ruhestand getreten. Sie hat keine Familie und sucht, trotz aller gebotenen Distanz nach menschlichen Kontakten. Als sie zwei einsame Frauen, Paula und Lindsey, mit Baby und Kleinkind jeden Tag beobachtet, wächst der Wunsch die beiden offensichtliche ledigen Mütter zusammenzubringen und für sich ein bisschen Gesellschaft zu organisieren. Sie lädt die beiden kurzerhand zum Essen am Freitagabend ein. Diese Besuche werden nach anfänglichen Unsicherheiten zum festen Ritual. Nach und nach taucht der Leser in das Leben der unterschiedlichen Frauen, die sich der Freitagabendgruppe angeschlossen haben, ein. Selbst noch ein Kind wollte Paula entgegen den Ratschlägen ihres Vaters London für sich erobern. Nun ist sie ledige Mutter eines ziemlich eigenwilligen Kindes. Ein Plus ist nur, dass der Kindesvater wohlhabend ist und ihr ein Loft gekauft hat. All ihre Hoffnung, mit dem verheirateten Gavin auch eine eigene Familie zu gründen, zerbricht. Die junge Lindsay ist verwitwet. Auch sie hat ein Kind und klammert sich an dessen Existenz. Die Single-Unternehmerin Blaise und die gestresste Karen mit zwei Kindern und Künstler-Ehemann ohne Einkommen gründen gemeinsam die Firma „Workwell“ und schließen sich ebenfalls dem Frauentreff an. Für die Frauen sind die gemeinsamen Abende am Ende der Woche wie eine Auszeit vom Alltag, sie mögen sich und werden Freundinnen. Eleanor ist der ruhende Pol in der Mitte, ihre Erfahrungen, ihre Direktheit und ihre Eigenständigkeit geben allen viel Kraft. Nach und nach treffen sich die Frauen auch bei Paula oder bei Blaise. Doch dann werden die jahrelangen Rituale durch einen besonderen Gast unterbrochen. Paula will ihren neuen Freund Jackson vorstellen. Sie schwebt im Glück und möchte die anderen daran teilhaben lassen. Ohne Paulas Wissen nimmt Jackson, ein smarter, wohlhabender und Kinder freundlicher Typ um die 40, zu jeder Frau Kontakt auf. Plötzlich sind die Freundschaften auf dem Prüfstand keine traut der anderen mehr, Veränderungen treten ein, die einige überfordern, anderen wiederum neue Perspektiven eröffnen. So möchte Blaise ihr Unternehmen ausbauen, Karen jedoch bremst bei größeren Aufträgen und plagt sich mit ihrem privaten Ehedisaster. Zu allem Unglück hat Eleanor dann auch noch einen Unfall. Die Konflikte spitzen sich zu und Paula ist von ihrer neuen Liebe zutiefst enttäuscht. Joanne Trollope umkreist ihre Protagonisten mit einem klaren, wie sicheren Gespür für menschliche Denkweisen und Handlungsmuster. Sie kommt ihnen nahe und gibt ihnen doch die Freiheit, eigene Wege zu gehen. Bestechend ist Joanne Trollopes unterhaltsamer Stil, der den Leser in die Romanhandlung zieht und nicht mehr los lässt.
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