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REZENSION von Karin Hahn |
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Belletristik Der gebürtige Dresdner Schriftsteller Ingo Schulze hat sich auf ein groß angelegtes Projekt des Berlin Verlages eingelassen. Ins Leben gerufen wurde die Buchreihe „Die Mythen“, an der sich 33 Verlage aus Europa, Nord- und Lateinamerika und Asien beteiligen und namhafte Autoren einladen, alte Geschichten neu zu erzählen. Margret Atwood sowie Ingo Schulze haben sich mit ihren Neuerscheinungen beteiligt. Adam nennen alle den Damenkonfektionsschneider, der die nicht mehr ganz so jungen, auch gern üppigen Frauen mit seinen Fähigkeiten in jeglicher Hinsicht beglückt. Gut geht es ihm. Er wartet für den Ungarnurlaub auf seinen Lada, fährt aber auch immer noch ganz gern mit seinem uralten Wartburg durch die Lande. Aus der Ferienidylle im Sommer 1989 wird allerdings für alle Beteiligten eine Reise in völlig fremde Dimensionen. Freundin Evelyn, die kellnert aber eigentlich studieren wollte, gelangt hinter die Affären ihres Adam und flieht erstmal mit Mona und deren Hamburger Cousin in den Süden. Adam im lang gedienten Wartburg, mit Schildkröte Elfriede und dem Familienschmuck hinterher. Im Hintergrund brodelt es jedoch auf politischer Ebene, was den Schneider offensichtlich kaum interessiert. Die anderen, die Richtung Ungarn reisen allerdings sehr, zum Beispiel Katja. Der jungen Frau hilft der gute Adam über die Grenze. Er schmuggelt sie ohne Visum und Geld im Kofferraum nach Ungarn. Für Katja gibt es keinen Weg zurück, sie kann keine Zeit verlieren, sie muss unbedingt in den Westen, denn die Ungarn öffnen ihre Grenze zu Österreich, habe sie gehört. Adam jedoch hofft auf keine Veränderungen, ihm geht es weder um Erkenntnis, noch Versuchung. Er ist nur auf sein persönliches Glück fixiert und das heißt: Evelyn. Diese amüsiert sich allerdings bereits mit dem Hamburger und schwelgt schon mal in Träumen von Brasilien und New York. Adam kann seine unzufriedene Evelyn aber nur zurückgewinnen, wenn er mit ihr in den Westen zieht. Doch was soll er dort? Zweifel nagen an dem DDR-Bürger, der zwar nicht zur Wahl gegangen ist und sich doch in seinem kleinen Glück eingerichtet hatte. Die neue Welt benötigt den genügsamen Adam nicht, hier sind seine Künste nicht gefragt. Adam hat sein Paradies für Evelyn verlassen und findet sich nicht mehr zurecht. Als die Mauer fällt, empört sich Evelyn über die Landsleute, die nun alles viel leichter erreichen als sie. Adam kehrt in sein Haus zurück und findet ein Chaos vor. Die Welt ist aus den Fugen, der Sündenfall vollzogen und Adam außen vor. Eine wunderbar mehrdeutige Geschichte voller Mythen, wenn man sich darauf einlassen will, muss man aber nicht, denn Ingo Schulzes Roman bietet unterschiedliche Lesarten an.
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