REZENSION

von Karin Hahn

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Maggie Schneider: Opa Meume und ich, Tulipan Verlag, Berlin 2008, mit ca. 30 farbigen Zeichnungen von Jacky Gleich, Fadenheftung, 68 Seiten • 17 x 24,5 cm, €12,90

Emma ist mit ihren neun Jahren ein Schlüsselkind. Ihre Eltern arbeiten viel, aber sie haben auch am Wochenende viel Zeit für ihr Kind. Im Mietshaus über Emmas Wohnung leben Opa und Oma Meume. Sie kümmern sich um Emma am Nachmittag, wenn sie allein zu Hause ist. Oma Meume kocht wunderbare Mittagessen und Emma bringt ein bisschen Leben in die Bude, obwohl die beiden Alten auch nach so vielen Ehejahren immer noch sehr glücklich sind. Doch eines Tages öffnet der sprachlose 85-jährige Opa Meume die Tür und Emma begreift, dass Oma Meume auf dem Sofa eingeschlafen ist und nicht mehr aufwachen wird. Emma ist bei der Beerdigung dabei und unendlich traurig. Viel trauriger wird sie allerdings als sie bemerkt, dass die Wohnung von Opa Meume für sie nicht mehr offen steht. Der alte unbeholfene Mann redet nicht mehr mit Emma und benimmt sich seltsam. Zu gern würde sie sich um ihn kümmern. Die Erwachsenen sehen Opa Meumes Zustand mit Distanz und wollen sich nicht einmischen. Emma sieht das ganz anders. Sie denkt sich ständig Neues aus, um zu Opa Meume in die Wohnung zu kommen und mit ihm Kontakt aufzunehmen. Sie spült sein Geschirr, setzt sich mit ihm ans offene Fenster, weil er keinen Schritt vor die Tür machen will und überredet die Eltern, den alten Herren zum Weihnachtsfest einzuladen, was leider ziemlich schief läuft. Die Erwachsenen wirken hilflos. Das ist eine gute Beobachtung, denn wie gehen Leute in unserer Gesellschaft miteinander um, wenn sie sich nicht gut kennen und Tür an Tür wohnen. Wie viel Einmischung auf der anderen Seite wollen alte Menschen, wenn ihr Leben aus den Fugen gerät? Emma ist unermüdlich in ihrer Sorge und ihrem Mitgefühl für Opa Meume.

Maggie Schneider erzählt diese Geschichte von Emma und Opa Meume ohne einen sentimentalen Satz, voller Wärme, Gefühl und vor allem sehr nah am Leben. Vieles steht einfach zwischen den Zeilen und muss gar nicht erläutert werden. Emma kann einen Menschen, den sie mag, nicht allein lassen. Das berührt jeden Leser – ob Kind oder Erwachsener.

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