REZENSION

von Karin Hahn

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Ingrid Noll: Kuckuckskind, Diogenes Verlag, Zürich 2008, 339 Seiten, €21,90

"Sie erlebt ihren Mann mit einer unbekannten Frau auf dem Sofa. Dazu hören sie erotische französische Musik, und sie hätte das nie im Leben gedacht und rastet aus."

Als Anja an einem Montagabend frühzeitig von der Chorprobe nach Hause kommt, zerplatzen alle ihre Zukunftsträume. Aus dem Häuschen mit Garten und vor allem zwei Kindern wird nun nichts mehr, zumindest nicht mit ihrem derzeitigen Ehemann Gernot. Allerdings ist Anja bereits Ende 30 und somit greift die ehrsame Deutsch- und Französischlehrein zum kochenden Teewasser und rächt sich auf ihre Weise.

Anja flieht in eine möblierte, schreckliche Wohnung, vergräbt sich hinter Sudoku-Spielen und gibt sich ihrem Schmerz voll und ganz hin. Noch kein Mord ist geschehen und trotzdem ist dieser Roman von Ingrid Noll, der wohl bekanntesten deutschen Krimiautorin Deutschlands. Mit ihren 72 Jahren hat sie sich nun einem psychologisch interessanten Thema, dem sehnlichen Kinderwunsch hingegeben, verliert aber auch das Tragische des Genres Krimi nicht aus den Augen. Anja hat trotz allem Kummer aber immer noch eine gute Kollegin und Freundin, die lebenslustige Birgit. Doch auch Birgit scheint ein paar Geheimnisse zu haben. Zumindest entdeckt Anja, dass auch ihr Mann und Birgit eine Beziehung hatten und die angebliche Freundin nun schwanger ist. Eifersucht und die Panik im Leben doch als die Verliererin dazustehen, treiben Anja zu unglaublichen Handlungen. Sie provoziert Birgits Mann zu einem Vaterschaftstest. Gernots Indizien schickt sie selbst ein. Doch beide Tests ergeben kein befriedigendes Ergebnis. Anja hat inzwischen ein schöneres Zuhause mit Familienanschluss, zu schön um wahr zu sein, gefunden.

Am Ende fällt ihr sogar ein Kind in den Schoß. Verdient hat sie es nicht, denn sie ist durch ihre Einmischung auch schuldig am tragischen Tod der Kindeseltern geworden. Vieles bleibt in der Schwebe und so legt man diesen Roman aus den Händen und ist im Zweifel.

Ingrid Nolls Roman liest sich spannend, vielleicht beim neuen Liebesglück von Anja zu süffig. Aber sei es drum: gute Unterhaltung, keine Frage!





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