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REZENSION von Karin Hahn |
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Belletristik Liza Marklund: Nobels Testament, Deutsch von Anne Bubenzer, Rowohlt Taschenbuch Verlag, Hamburg 2008, 443 Seiten, €9,95 Liza Marklund: Lebenslänglich, Deutsch von Dagmar Lendt und Anne Bubenzer, Kindler Verlag, Hamburg 2008, 496 Seiten, €19,90 ______________________________________________ „Die Journalistin sah aus wie ein ungemachtes Bett, also ungefähr wie immer..... Sie hatte etwas leicht Manisches, etwas allzu Eifriges. Sie war wie ein Kampfhund, dessen Kiefer blockierten, wenn sie sich erstmal geschlossen hatten.“ So wird Annika Bengtzon charakterisiert, der Prototyp der eifrigen Journalistin, die trotz ganz normaler Familie mit zwei Kleinkindern, mit ihrer Arbeit verheiratet ist. Wie die engagierte Polizeireporterin nur vor dem Google-Zeitalter recherchiert hat, bleibt ihr selbst ein Rätsel. Zu lang sind manchmal die Ausflüge ins Internet, da waren die alten Telefonate oder Treffen mit wichtigen Personen kurzweiliger. Auch an ihrer Person gegen die Reformen, d.h. Einsparungen im „Abendblatt“ nicht vorbei. Mit ihrem Computer und der Möglichkeit, alles im Netz zu erkunden, könnte sie fast ohne Schreibtisch arbeiten, wäre da nicht doch der menschliche Kontakt, den auch eine abgehärtete Journalistin ab und zu mal benötigt. Liza Marklund gibt ihrer Heldin in den zwei neuen Romanen dieses Mal mehr Spielraum, sich auf ihre Familie zu konzentrieren, die ja in den vergangenen Romanen einfach so nebenher existierte. Wer zwei kleine Kinder und einen Karriere orientierten Ehemann mit Ambitionen hat, der sich auch noch von seiner Frau vernachlässigt fühlt, könnte da schon ins Schlittern geraten. Bei Annika tritt dieser lebensnahe Fall nun ein, denn Thomas, Annikas Ehemann, stolpert über eine Affäre. Annika versucht diesen schnell bereuten Fehltritt zu tolerieren und gerät doch immer wieder an ihre emotionalen Grenzen. Mit ihrem kleinen Vermögen kauft sie sich ein neues Haus und hofft auf die Zukunft. Fehlanzeige, denn ein Kriminalfall nach dem anderen bringt Annika und ihre Kinder in Lebensgefahr. Interessant wäre zu erkunden, wie unfähig und zerrissen Annika Bengtzon als Mutter ist. Als Workaholic, seltsamerweise kann Marklunds Heldin mit sich und ihrer Familie nichts anfangen, verschwendet sie nicht allzu viel Zeit für ihre Angehörigen und wenn die Kinder nach einem Schock ( immerhin wären sie beinahe im Haus verbrannt) Zuneigung und Wärme benötigen, kauft sie ihnen schnell zwei Gameboys und die Geschichte geht weiter. Thomas und Annika Bengtzon sind nicht die idealen Eltern, die sich ziemlich realistisch, dann auch trennen. Ihre Gefechte tragen sie über die Kinder aus, auch dies ist bei aller Fiktion dem wahren Leben abgekupfert. In „ Nobels Testament“ soll Annika Bengtzon - mal ganz harmlos - über die Nobelpreisfeier fürs „Abendblatt“ berichten. Doch nach dem Attentat auf den Gewinner des Nobelpreises für Medizin ist sie, was für ein Zufall, die wichtigste Zeugin des Verbrechens. So nah an einem Fall dran zu sein, ist für Annika eine große Versuchung. Allerdings darf sie nicht darüber schreiben und wird für ein halbes Jahr suspendiert. Opfer des Anschlages ist eine Professorin, die Präsidentin des Nobelpreiskomitees. Wer hat den Mord in Auftrag gegeben, und welches Motiv gibt es? Annika Bengtzon kann jedoch keine Schreibpause einlegen, sie beginnt sich in den Fall einzumischen und erkennt, dass es eine verhängnisvolle Verbindung zum Thema des Nobelpreises für Medizin gibt: Stammzellenforschung. Wie hart ist die Konkurrenz unter den Wissenschaftler? Wie werden die Gelder für Forschungen verteilt? Schnell ist ein angeblicher Täter gefunden, ein jordanischer Terrorist, der umgehend an die Amerikaner ausgeliefert wird. Hier verflechtet Liza Marklund aktuelle Debatten mit ihrer fiktiven Handlung und bleibt doch authentisch. Sie greift gesellschaftliche Missstände in ihren Büchern auf, beschäftigt sich mit Themen wie Gleichberechtigung, politischen Intrigen, Ethik und Moral. „Ich will die Welt verbessern!“, sagte sie in einem Interview „Unsere Gesellschaft ist nicht naturgegeben, wir machen sie und jeder Einzelne kann etwas daran verändern. Wir haben viel mehr Macht, als wir oft glauben.“ Ziemlich konstruiert ist der Plot in diesem Buch, bei dem es Liza Marklund verblüffend spannend wieder schafft, den Leser zum einen gut zu unterhalten und zum anderen eine Handlung auszuspinnnen, die letztendlich wieder bei der Person Bengtzon in einem Showdown endet. Wer „Nobels Testament“ gelesen hat, kann gleich den neuen Roman „Lebenslänglich“ anschließen. David Lindholm ist ein allseits angesehener Polizist. Nun liegt er hingerichtet auf seinem Bett. Die Einschüsse aus nähester Nähe sprechen ihre eigene Sprache. Der vierjährige Sohn der Lindholms ist verschwunden und Ehefrau Julia wird verwirrt im Bad entdeckt. Sie ist die einzige Tatverdächtige, denn ihre Fingerabdrücke finden sich auf der Mordwaffe. Die Ermittlungen sind schnell abgeschlossen. Julia wird nach einem Indizienprozess zu einer Haftstrafe auf Lebenszeit verurteilt, obwohl sie bis zum Schluss ihre Unschuld beteuert. Annika Bengtzon recherchiert und entdeckt viele Ungereimtheiten gerade im Privatleben des hochgelobten, janusköpfigen Polizisten. Sie lässt nicht locker und entwirft eine nahezu unglaubliche Theorie, die ihr niemand glauben wird, bis sie selbst die Sache in die Hand nimmt. Liza Marklund schreibt fesselnd und im siebten Bengtzon-Fall auch sehr authentisch an der möglichen Wahrheit entlang. Vielleicht ein Grund, weshalb sich viele Leser gerade auf diese Romane einlassen, die zur Abwechslung mal aus einer völlig anderen Perspektive Mordfälle, verursacht durch Geldgier, Eifersucht oder falsche Ideale, betrachten.
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