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REZENSION von Karin Hahn |
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Belletristik Perihan Magden: Zwei Mädchen. Istanbul-Story, Roman, Aus dem Türkischen von Johannes Neuner, Suhrkamp Verlag, Frankfurt am Main 2008, 324 Seiten, €9,90 Euro Die türkische Autorin Perihan Magden ist in ihrem Land Kult, eine kritische Frau, die gegen die türkische Gesellschaft eine spitze Feder führt. Von vielen Seiten wird sie bewundert, aber auch bedroht. 2002 erschien ihr Roman „Zwei Mädchen“ in der Türkei, jetzt liegt er in der deutschen Übersetzung vor. In 19 Tagen erlebt Behiye, das rebellische 16-jährige Mädchen mit den karottenroten, kurzen Haaren alle emotionalen und seelischen Höhen und Tiefen. Sie hasst über das normale pupertäre Maß hinaus ihr Zuhause, ihre Mutter, die sich in der Küche ständig schneidet, ihren Bruder, der sie behandelt wie eine Aussätzige. Harte Musik und Bücher, als geistige Nahrung, sind das einzige, was das Mädchen am Leben erhalten. Dann trifft Behiye, die voller Wut durch ihren Alltag stürmt, die gleichaltrige Handan. Handan ist ein schönes Feenmädchen mit filigranen Zügen, anschmiegsam, voller Naivität und Zuneigung. Ihre Mutter Leman hofft auf die Gunst eines Mannes und spürt trotz all ihrer Schönheit, ein Ende ihrer weiblichen Vorzüge. Ständig ist ihre Kreditkarte überzogen, denn sie lebt mit ihrer Tochter in einer Traumwelt, die mit dem realen Leben nichts mehr zu tun hat. Alle lieben sich und tun einander nicht weh. Behiye und Handan fühlen sich zueinander hingezogen. Wenn sie miteinander sprechen könnte man ahnen, dass Behiye, die nun hofft, dass sie gerettet wird, geradezu Liebe für Handan empfindet. „Handan ist gekommen, und Behiye ist ganz geworden. Ganz geworden. Ganz.“ Die flauschige Babysprache, in der Handan und Behiye sich unterhalten, verblüfft, denn hier existiert keine coole Jugendsprache, in der normalerweise kommuniziert wird. Behiye bestiehlt ihren Bruder und ihre Mutter und zieht bei Handan ein. Vom ersten Moment an ist klar, dass diese harmonische Beziehung, allein durch die Umstände ihres Zusammenlebens, in einem Chaos enden wird. Behiye fühlt sich von ihrem Bruder verfolgt, kauft sich ein Skalpell. Handan will mit Jungen ausgehen und glaubt auch, dass sie sich wie ihre Mutter einen reichen Erben suchen muss. Gefühle spielen keine Rolle. Handan tänzelt in ihren rosaflauschigen Jäckchen durchs Leben, Behiye steht bereits am Abgrund. Wie eine Erstickende klammert sich Behiye an Handan und geht an ihrem egoistischen Denken zugrunde. Sie erkennt, nur das Geld spielt eine Rolle, keine Werte, keine Freundschaft. Behiye erkennt die Absichten der Junge und benennt sie auch scharfzüngig, allerdings hört ihr niemand zu. So wie Handan und Behiye das Gefühl am Beginn ihrer Freundschaft haben, dass sie in ein „Zuckerkoma“ fallen oder von einem „Glückskokon“ überzogen wurden, ergeht es dem Leser Stellen weise leider auch. Dem süßlichen Gesäusel der beiden Mädchen zu folgen, ist ziemlich anstrengend. Und doch baut die türkische Autorin immer wieder erneut Spannung auf. Inmitten der Handlung finden Menschen, deren Bindungen auch nicht sehr stabil sind, Leichen, junge Männer in Markenklamotten, denen die Kehlen durchgeschnitten wurden. Behiye und Handan träumen von einem unabhängigen Leben in Australien bei Handans Vater. Es bleibt ein Traum. Mitten in der Geschichte tritt immer wieder ein retardierendes Moment auf, der Leser weiß, Behiye wird sich erinnern, Handan nie.
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