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REZENSION von Karin Hahn |
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Belletristik Peter Härtling: O'Bär an Enkel Samuel, Eine Erzählung mit fünf Briefen, Kiepenheuer & Witsch, Köln 2008, 112 Seiten, €14,95 In einem Interview äußerte Peter Härtling: „Ich hab geschrieben, um zum Wiederschreiben zu kommen.“ Eine lange Krankheit und eine Schreibkrise verzögerten Peter Härtlings Schaffen, der im November 2008 stolze 75 Jahre alt wurde. Peter Härtling schreibt autobiografisch, verfremdet aber als Autor seine Figur. Um nicht „Ich“ sagen zu müssen, nennt er sich fiktiv Peter Weber und gibt seinem Protagonisten den Journalistenberuf, den Härtling zu Beginn seiner Karriere ausgeübt hatte. Worte finden scheint ihm irgendwie schwierig. Als Samuel, der Sohn seiner Tochter Line, auf die Welt kommt, scheint sich das Blatt zu wenden. „Der kleine Herr“ wie ihn Weber nennt, nimmt ihn für sich ein. Jedes Wort des Kindes, jede Geste registriert Weber und beginnt ihn zu beobachten. Zwischen den beiden so wünscht es sich Weber entsteht eine innige, fast einmalige Beziehung. Aller Zauber liegt in diesem Anfang, denn Weber steckt in einer Krise fest. Zum einen ist er körperlich schwach, zum anderen fühlt er sich überfordert. Gedanklich kehrt er zur eigenen Kindheit zurück, der Kriegskindheit und zu Menschen, die nicht mehr leben, wie z.B. Dr. Guttmann, mit dem Weber wie im Selbstgespräch über seine Probleme reden kann. Als Samuel dann zum ersten Mal mit Worten eigenständig umgeht, den Opa anregt, auch „ich“ sagt und sich abgrenzt, spürt Peter Weber mehr Energie. Ein kleines Haus im Garten der Webers wird angeschafft, ein neuer Ort zum Schreiben und für gemeinsame Erlebnisse mit dem kleinen Herrn, wenn er zu Ostern zu Oma und Opa reist. Weber gibt sich ganz dem Jungen hin, als könnte er nichts mit sich anfangen, wenn Samuel ihm nicht seine ganze Aufmerksamkeit schenkt. Ein Erwachsener, der ein Kind und die Anfänge allen Lebens für sich neu entdeckt, das liest sich ungekünstelt und ehrlich. Peter Härtling schließt den Kreis der Selbstfindung, indem er am Anfang und am Ende sich selbst wieder in die Geschichte mit den fünf innigen Briefen an den Enkel Samuel hineinschreibt. Ein Kleinod der Literatur.
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