REZENSION

von Karin Hahn

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Anne Enright: Das Familientreffen, Aus dem Englischen von Hans-Christian Oeser, Deutsche Verlags-Anstalt, München 2008, 344 S., €19,95

Sturzbetrunken mit Steinen in den Taschen ist Liam ins Wasser am Strand von Brighton gegangen und ertrunken. Liam, einer von elf Geschwistern, taugte nicht für die Welt. Er hatte sich im Alkohol verloren. In einem seltsam schroffen Erzählton, ironisch, schonungslos und dann wieder voller Zuneigung erzählt Liams Schwester Veronica von der kinderreichen, irischen Familie Hegarty, den Ereignissen in unterschiedlichen Zeitebenen und den Geistern der Vergangenheit. „.... und dann gab es mitleiderregende Fälle wie mich, die Eltern hatte, die einfach hilflos waren und sich genauso natürlich fortpflanzten, wie sie schissen.“

Veronica hat sich von ihrer Familie nicht nur innerlich gelöst. Sie hat zwei Kinder, ist gut situiert verheiratet und hat den sozialen Aufstieg geschafft. Sie erinnert sich an die Kindheit mit Liam, dem Bruder, der ihr so nah war, an die unscheinbar gewordene Mutter, die sich kaum an die Namen der Kinder erinnern kann, an die Großmutter Ada und ihre Männer. Aber auch Veronica ist sich ihrer Existenz nicht sicher, scheint durch den Tod des Bruders in ein seelisches Ungleichgewicht zu geraten.

Jedes der Kinder, neun Erwachsene sind noch am Leben, hat sein Päckchen zu tragen und Veronica meistert die schwere Aufgabe, die Geschwister zu informieren und die Trauerfeier in Dublin zu organisieren. Veronicas eigene Ehe trudelt in eine Krise und so sie flüchtet eher ins Hotel. Die Frage nach den Gründen für den selbst gewählten Tod des Bruders von dem sie nur elf Monate trennen, führt die Schwester in unbewusste Zonen, die sie kaum wahrgenommen hatte als sie mit acht oder neun Jahren gemeinsam mit Liam bei der Großmutter Ada lebte. Alles geschah vor ihren Augen, aber sie konnte es nicht sehen. „Aber ob es wirklich geschehen ist? Mit Gewissheit kann ich es nicht sagen.“

Eine aufregende Familiengeschichte – dramatisch, lächerlich, alltäglich, ungewöhnlich, berührend und abstoßend.

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