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von Karin Hahn

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Belletristik

Willa Cather: Mein ärgster Feind, Aus dem Amerikanischen von Stefanie Kremer, Mit Nachwort von Antje Rávic Strubel, Knaus Verlag, München 2008, 112 Seiten, €14,95

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„Menschen können zugleich Liebende und Feinde sein.“

Wie die Liebe zwei Menschen zerstören kann, davon erzählt Willa Cather in ihrer eindringlichen Sprache. Die amerikanische Autorin ( 1873 – 1947) ist spätestens seit „Meine Antonia“ eine Entdeckung auf dem Buchmarkt. In „Mein ärgster Feind“ erzählt die amerikanische Autorin aus der Sicht der jungen Nellie Birdseye die Geschichte des ungewöhnlichen Paares Myra und Oswald Henshawe. Sie stammt als Mündel aus reichem Haus. Vom grimmigen Onkel würde sie ein Vermögen erben, wenn sie auf die Beziehung zu Oswald verzichten würde. Doch Myra setzt ihren Kopf durch, heiratet den jungen Mann, flieht aus Parthia, Illinois und lebt mit ihm in New York.

Wie glücklich muss diese Ehe sein, die unter so abenteuerlichen Umständen geschlossen wurde? Die Braut verzichtete auf ein finanziell unabhängiges Leben, ihre Religion und ihre Stellung in der Gesellschaft. Alle romantischen Vorstellungen verfliegen als Nellie die zwar schillernde, wie charismatische, aber doch kleine und mollige, egozentrische Myra kennenlernt. Ein klingendes Lachen und eine gewisse Zuneigung zu Menschen scheinen sie auszuzeichnen. Zu Weihnachten, die Geschichte spielt gegen Ende der 1890er Jahre, Sarah Bernardt hat ihren großen Auftritt als "Hamlet" besucht Nellie das Ehepaar mit einer Tante am Madison Square. Immer wieder spürt Nellie Myras Unzufriedenheit, die unter Künstlern und Reichen in New York verkehrt, um ihrem Mann ein paar Türen zu öffnen. Myra lebt über ihre Verhältnisse, ist oberflächlich und hasst es, arm zu sein. Oswald hat so seine kleinen Liebeleien, die Myra durchaus durchschaut. Zehn Jahre später wird Nellie Myra wiedersehen und das traurige Ende der Ehe mit dem ärgsten Feind, so bezeichnet Myra ihren Mann, erleben.

Wie gefangen scheint sich Myra in dieser früh geschlossenen Ehe zu fühlen. Sie hat sie nicht gefunden, die befreienden Liebe, die Schwierigkeiten überwindet und soziale Schranken niederreißt. Als „Eigentum des Mannes“ bleibt die Liebe in früheren Zeiten ein Luxus, den man sich als Frau leisten kann oder auch nicht. Das wusste Willa Cather. Zutiefst hat Cathers Hauptfigur ihren Entschluss bereut, auf finanzielle Sicherheit und Reputation zu verzichten. Der Romantik stellt sie den Verlust aller Illusionen gegenüber und stirbt in größter Verzweiflung.

Willa Cather erzählt eine zutiefst menschliche, wie bittere Geschichte. Im Nachklang denkt man an Theodore Dreisers realistische Romane.

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