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REZENSION von Karin Hahn |
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BOOK REVIEWS SUMMER 2009 Belletristik |
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Anita Shreve: Die Nacht am Strand, Aus dem Englischen von Mechtild Sandberg-Ciletti, Piper Verlag, München 2009, 352 Seiten, €19,95 „Sie läuft dem Ozean entgegen, immer schneller.“ Die amerikanische Autorin Anita Shreve erzählt in ihrem neuen Roman auf gekonnt routinierte Weise vom inneren Verfall einer amerikanischen Familie. 2002 beginnt dieser Roman, dessen Handlung sich über drei Jahre hinzieht. Shreves Heldin, Sydney Sklar, 29 Jahre alt, ist wiedermal aus dem Nest gefallen. Zweimal hat sie geheiratet, ist nun geschieden und verwitwet. Nun hält sich die junge Frau, die ihre akademische Laufbahn abgebrochen hat, in einem wundervollen Sommerhaus an der Küste von New Hampshire auf und unterrichtet die 18-jährige, leicht zurückgebliebene Julie Edwards. Sydney hat sich in dieses Haus, dieses Familienleben, die Normalität des Alltags auch wenn Mrs Edwards sie mit ihrem Antisemitismus und ihrer leicht unterkühlten Art als Hausangestellte behandelt - ganz im Gegensatz zu ihrem sympathischen Mann - verliebt. Als die Söhne der Familie, Jeff (31) und Ben (35) anreisen, beginnt ein seltsames Spiel, dass Sydney bis zum bitteren Ende nicht durchschauen wird. Oberflächlich betrachtet ist alles im Lot, die Edwards sind fast eine Bilderbuchfamilie. Aber im Untergrund brodelt es. So wie die Strömungen des Meeres den Badenden die Beine wegreißen, auch wenn alles friedlich scheint, so herrscht im Inneren dieser Familie ein unerklärlicher Kampf. Julie, die Jüngste, wagt einen spektakulären Ausbruch aus dieser Familie, die so viel Stil und Perfektion an den Tag legt, ehe die anderen nur begreifen, was vor sich geht. Sie entdeckt durch Sydney ihre Begabung für die Malerei und entschließt sich zu einem Leben mit einer Frau aus Kanada. Nur ihr Vater hat die Gelegenheit wieder Kontakt zu ihr aufzunehmen. Julie befreit sich aus familiären Erwartungen und verblüfft alle. Jeff, offenbar glücklich verlobt, trennt sich, um sich mit seinem außergewöhnlichen Charme Sydney zuzuwenden. Plötzlich verlässt Sydney ihre beobachtende Haltung und wird ein Teil dieser Familie. Sie fühlt sich geschmeichelt und doch stimmt etwas nicht. Auch Ben schien sich Sydney anfänglich zu nähern, aber auch hier täuschte Sydneys eigene Wahrnehmung. Welches eigenartige, raffinierte Spiel wird hier getrieben? Was hinter der kumpelhaften Kommunikation der Brüder steckt, bleibt unerschlossen. Eifersucht, Konkurrenzneid, Respektlosigkeit, Gefühlskälte, Verletzungen alles könnten die Ursachen für Jeffs seltsames Verhalten sein, seine langen Spaziergänge, seine Verschlossenheit, seine Unberechenbarkeit. Immer wieder erinnert sich Sydney an ihre Ehen, an die mit dem Piloten, dessen todesmutige Arbeit sie irgendwann nicht mehr ertragen konnte und an die Ehe mit Daniel, der als Arzt von einer Sekunde zur nächsten verstarb. Wie hart diese neue Familie Sydney zusetzen wird, davon hat sie nicht die geringste Ahnung. Sie jedenfalls plant unbelastet ihre dritte Ehe mit Jeff bis zum Morgen des Hochzeitstages. Atemlos folgt der Leser Anita Shreves Heldin und lässt sich in ihr Leben voller Höhen und Tiefen hineinziehen. Unterhaltsam blättert die Autorin ohne zu psychologisieren eine Geschichte des Sommerhauses, ihrer Bewohner und den Menschen auf, die sich ihnen nähern. Und sie erzählt von einer Frau, die sich nach einer großen Liebe sehnt, die unerreichbar für sie zu sein scheint. Doch dieser Roman endet nicht ohne Hoffnung. Er führt zu der Erkenntnis, dass das Glück vielleicht schon längst da war und alles seine Zeit benötigt.
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