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REZENSION von Karin Hahn |
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BOOK REVIEWS SUMMER 2009 Belletristik |
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Krimi Petros Markaris: Die Kinderfrau, Diogenes Verlag, Zürich 2009, 320 Seiten, €19,90 „Erst jetzt, kurz vor meiner Abreise, stelle ich fest, dass diese Stadt einen Teil ihrer Schönheit der pulsierenden Geschäftigkeit verdankt, die jeden Morgen wie eine Fieberkurve ansteigt und erst tief in der Nacht wieder absinkt. Diese Lebendigkeit übertüncht das Hässliche, denn im Fiebertaumel achtet man nicht darauf.“ Der griechische Kriminalkommissar Kostas Charitos befindet sich mit seiner Frau auf Gruppenreise in Istanbul. Der Familienzwist um die standesamtliche Hochzeit seiner erfolgreichen Tochter Katerina haben ihn aus Griechenland vertrieben. Auch Charitos charismatische Ehefrau Adriana schmollt mit ihrem Kind und so sollen die Sehenswürdigkeiten der Stadt am Bosporus die beiden ablenken. Doch kaum ist Charitos mit den türkischen Glanzpunkten der alten byzantinischen Geschichte Konstantinopels vertraut gemacht worden, spricht ihn ein griechischer Schriftsteller an, der sich Sorgen um seine in Istanbul verschollene Kinderfrau Marie Chambou Sorgen macht. Jahrelang hat er sie nicht gesehen und nun geschehen ein Mord nach dem anderen. Die neunzigjährige Frau scheint ihr Leben Revue passieren zu lassen. Geschichten reihen sich nun aneinander, die immer wieder mit der griechischen Minderheit in und um Instanbul in Verbindung steht. Charitos erhält den Auftrag seines Vorgesetzten der türkischen Polizei unter die Arme zu greifen, denn ihm würden die Griechen in der Türkei mehr offenbaren als dem Polizeinangestellten Murat, mit dem sich Charitos nur auf Englisch verständigen kann. Das Verhältnis beider Männer ist durch Unsicherheit, Missgunst und seltsame Rivalität geprägt, die sich im Laufe der Geschichte und der inneren Auseinandersetzung des griechischen Kommisars mit der Minderheitenthematik verändern wird. Maria jedenfalls besucht die Menschen aus ihrer Vergangenheit mit einer selbst gemachten Käsepitta, die sie entweder mit Genuss verzehren oder an dem beigefügten Pflanzenschutzmittel qualvoll sterben. Erste Opfer des Rachefeldzuges sind missgünstige und streitsüchtige Verwandte, der Bruder und die Cousine. Wie eine Reise durch Instanbul beschreibt Petros Markaris die für Touristen wundervolle Stadt Istanbul, wagt sich aber auch in geschichtliche Bereiche und die Auseinandersetzungen der Griechen und Türken vor. Auch Murat kennt die Situation der Minderheiten, denn geboren wurde er in Esslingen, in Deutschland. Vorsichtig gehen die beiden Polizisten bei der Suche nach der alten schwer kranken Frau vor, denn jegliche Schuldzuweisung würde auch wieder die Griechen und die Türken gegeneinander aufwiegeln. Die Suche nach der Mörderin wird teilweise durch die vergangenen Geschichten von Habgier, Freundlichkeit und Anteilnahme unter den Minderheiten aus den Augen verloren. Kostas Charistos lädt sich nur den Ärger seine Frau auf, die so gar nicht verstehen kann, warum ihr Mann sich immer in alles einmischen muss. Unlogisch bleibt die späte Anteilnahme und Sorge des Schriftstellers an seiner Kinderfrau Maria, die nun unerkannt in Instanbul Selbstjustiz an den Menschen übt, die ihr oder auch anderen Leid zugefügt haben. Petros Markaris erzählt unterhaltsam und leicht von schweren Zeiten, tiefen Verletzungen und menschlichen Abgründen. Aber dieses Buch öffnet auch den Blick des Lesers in die griechisch-türkische Geschichte ( 1955 Pogrom gegen die griechische Bevölkerung in Istanbul, Zypern-Konflikt u.a.) und eines zweifelhaften Patriotismus, der weit in die Gegenwart hineinreicht.
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