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REZENSION von Karin Hahn |
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BOOK REVIEWS SUMMER 2009 Belletristik |
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Belletristik / Hörbuch Irina Korschunow: Langsamer Abschied, Hoffmann und Campe Verlag, Hamburg 2009, 160 Seiten, €17,95 Hörbuch: Irina Korschunow: Langsamer Abschied, Hoffmann und Campe Verlag, Gelesen von Marion Martienzen, 2 CDs, gekürzte Lesung, €19,95 Alles begann so hoffnungsvoll und endet so traurig und leer. Nora und Pierre lernen sich an der Uni Göttingen kennen, gehen ein Stück gemeinsam, um dann den wohl bedachten Entschluss zu fassen, für immer zusammen zu bleiben. Für immer, wie ein Versprechen auf ewig, dem nichts etwas anhaben kann. Die beiden Akademiker finden ihr Traumhaus, sie verfolgen ihre Karrieren, er als junger Physikprofessor, sie als in ihren Spezialbereich verliebte Kunsthistorikerin. Intellektuell stimmt alles, Geldprobleme sind nicht vorhanden und doch entstehen Spannungen. Mal will er ein Kind, dann ist Nora nicht bereit zurückzustecken. Konflikte, die modern anmuten und es auch sind. Aber Nora sitzt in keinem Puppenheim. Sie ist eine moderne Frau, die ihre Ziele verfolgt. Irgendwann reift der Entschluss für ein Kind und dann ist es zu spät. Nach Jahren des Zusammenlebens mit allen Höhen und Tiefen erfährt Nora allerdings, dass Pierre bereits eine Tochter, Annika, aus einer außerehelichen Beziehung hat. Nichts kann schmerzvoller sein als dieser Verrat. Und doch, die beiden finden trotz tiefem Zerwürfnis wieder zusammen. Der Unfall schreckt Nora wie ein Schicksalsschlag aus der Bahn. Nach einem Streit, den sie nie wieder rückgängig machen kann, verunglückt Pierre unverschuldet mit dem Auto. Alle Wahrheiten menschlichen Daseins wie Verantwortung, Treue, Schuld, Ehrlichkeit, Gleichheit und Offenheit und vor allem Liebe behandelt Irina Korschunow in dieser ja fast kleinen, banalen Geschichte meisterlich. Nora ist die Erzählerin. Marion Martienzen versetzt sich tief in die Gedankenwelt dieser Frau und liest eindringlich und spannungsreich vom leben zweier Menschen, die alle guten Voraussetzungen nicht nutzen können, um glücklich zu sein. Sensibel und mit korrektem Blick richtet Irna Korschunow ihre Aufmerksamkeit auf Details psychischer Verwirrung und beobachtet Reaktionen auf Schicksalseinbrüche, die fast wie in einem Film am Leser vorüberziehen. Ein Hörerlebnis, bei dem man weder Auto fahren, noch in aller Ruhe bügeln kann. Man muss zuhören.
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