REZENSION

von Karin Hahn

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Ida Jessen: Leichtes Spiel, Aus dem Dänischen von Angelika Gundlach, suhrkamp nova, TB, Frankfurt am Main 2008, 206 Seiten, €12,90

„Joachim war kein sicherer Tänzer und hielt seine Partnerin nicht gern im Arm. Aber Susan packte ihn und schmiegte sich eng an ihn.“

Der introvertierte 40-jährige Joachim Hald ist an einem Punkt angekommen, wo die Arbeit, eine nobel eingerichtete Eigentumswohnung im Stadtzentrum und eine gewisse Leere sein Leben ausmachen. Fast hätte er sich seinem Schicksal ergeben, wäre da nicht die mollige und scheinbar lebensscheue Susan aufgetaucht. Sie könnte allem nochmal eine neue Wendung geben, hofft Joachim und lässt sich auf die junge, alleinstehende Frau mit Tochter Ditte ein. Doch kaum haben die beiden sich kennengelernt, das ist Susan auch schon schwanger. Joachim fühlt sich als werdender Vater glücklich. Allerdings hat seine kurze Beziehung bereits leichte Risse. Susan ist nicht nur egoistisch und voller Minderwertigkeitskomplexe, sie kann sich auch nicht auf andere Menschen einstellen. Jedes Gespräch des Paares endet in Gezeter und Anschuldigungen, denn Susan verdreht die Streitereien so geschickt, dass Joachim sich immer schuldig fühlt. Um den unsinnigen Machtspielen, die Susan provoziert und deren Sinn Joachim nicht erkennt, aus dem Weg zu gehen, verzieht er sich stunden- später tageweise in ein kleines Hotel. Susan versinkt immer tiefer in ihrem Muttersein. Sie lässt sich gehen, kümmert sich um nichts, manipuliert ihre Tochter im Teenie-Alter und trägt seltsamerweise genau die gleichen Klamotten wie Ditte. Joachim fühlt sich mehr und mehr unbehaglich, zumal Susan jetzt auch mit all ihren Möbeln und Utensilien in seine schicke Wohnung gezogen ist und sich mit ihrer Unordentlichkeit breit macht. Wie ein flegelhaftes Kuckuckskind drängt sie alles aus Joachims Leben, was ihm wichtig war. Im Sommerhaus erkennt Joachim, dass Ditte weder schwimmen noch Fahrrad fahren kann. Das Mädchen und Joachim verstehen sich ausgezeichnet. Doch dann zwängt sich Susan dazwischen und die Harmonie ist zerstört. Als Joachim Vater wird, ist das für ihn ein einmaliges Gefühl, auf das er nie zu hoffen wagte. Wie so oft flüchtet er vor seinem eigenem Zuhause ins Hotel. Susan bringt ihren Sohn Jakob allein gelassen zur Welt. Wieder fühlt sich Joachim schlecht, liebt aber Jakob über alles. Immer mehr steuert die Zweierbeziehung des unterschiedlichen Paares auf ein Disaster zu. Joachim erträgt die vulgären Beschimpfungen seiner Gefährtin nicht mehr und vernachlässigt unter all dem Stress seine Arbeit bis Susan ihm die Tür vor der Nase zuschlägt. Joachim verliert seine Wohnung, seine Sicherheit, seine Arbeit und dann entzieht Susan Joachim jegliche Lebenskraft, indem sie verhindert, dass er Jakob sehen kann.

Ida Jessen beobachtet minutiös und psychologisch genau die Veränderungen dieser zum Scheitern verurteilten Beziehung. Dabei fällt es schwer für eine Seite Partei zu ergreifen, denn das dem Leben abgeschaute Verhalten beider Protagonisten scheint unerklärlich.

Ein Buch, dass, und hier hat der Klappentextautor absolut recht, einen bis zur letzten Seite nicht mehr losläßt.

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