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REZENSION von Karin Hahn |
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BOOK REVIEWS SUMMER 2009 Belletristik |
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Belletristik Paule Constant: Das Brautkleid, Aus dem Französischen von Michael Kleeberg, Deutsche Verlags-Anstalt, 2009, Gebundenes Buch mit Schutzumschlag, 272 Seiten, €19,95 „ Sie hatte ihren Mann nicht umgebracht, sie hatte nichts dazu getan, dass es so kam, aber sie hatte daran gedacht mit jeder Faser ihres Dasein, und jemand hatte sie erhört, jemand hatte sie verstanden, jemand hatte mit all der notwendigen Grausamkeit alle Details ihres entsetzlichen Wunsches in die Tat umgesetzt.“ Im Rückblick lernt der Leser die tragische Geschichte der Catherine Sorbier kennen. Sie steht unter Verdacht am gewaltsamen Tod ihres Mannes schuld zu sein und ihr Baby ermordet zu haben. Eine unglaubliche Anschuldigung, die jedoch die Richterin in jedem Punkt für schlüssig hält. Angeklagt ist auch der fettleibige Jeff, ein zutiefst gewalttätiger Mensch, der allerdings von Anfang an sein vergangenes Leben mit Lügen tarnt. Cathys 18 Jahre Ehe waren bis zu dem Moment unbeschwert, an dem ihr Mann Tony sie für die laute, oberflächliche und leichtlebige Freundin Malou verlässt. Sie hatte eine schöne Kindheit, ein erfülltes Studium, das herrliche Haus ihrer Großeltern, ihren Sohn Olivier und einen Sport begeisterten Mann. Dann schwängert Tony Malou und seine Frau fast zur gleichen Zeit und entscheidet sich für das neue Leben mit der Geliebten. Cathy ist am Boden zerstört und trifft in dieser schwierigen Lage ihre Freundin Lili aus Kindertagen. Lili lebt mit Jeff auf einem Schrottplatz. Jeff dringt in Cathys Leben immer tiefer ein. Wie ein „ein Holzwurm in einem Balken“ schafft er sich einen Platz und bedrängt sie Schritt für Schritt mit seiner Aufmerksamkeit und wachsenden Liebe. Er will ihr Beschützer sein und richtet sie zu Grunde. Nie hätte Cathy diesen dicken Mann mit Glatze beachtet, doch in ihrer Trauer lehnt sie sich an ihn. Er kümmert sich um die Elektrik im Haus. Nach und nach zerstört er jedoch alle Leitungen, nistet sich im Gartenhaus mit seinem gestörten, einsamen Hund ein und belagert die Frau, die er zu lieben vorgibt. Cathy hatte ihm sogar ihr Baby anvertraut. Cathys Mutter verweigert jegliche Hilfe und stößt die Tochter immer tiefer in die Depression. Tony droht ihr mit Scheidung und dem Entzug der Kinder. Cathy, so glaubt die Richterin, ist eine durchtriebene Person, die Jeff zu ihrem Handlanger erkoren hat. Doch wer ist diese Frau wirklich? Wie kann es sein, dass sie im Haus ihrer Großeltern lebt und nichts verändert, am liebsten in der Wäschekammer bügelt und auch wenn sie keine Analphabetin ist, nicht liest und nichts von der Welt außen hören will. Paule Constant entwirft das Bild einer unsicheren, immer behüteten jungen Frau, die beruflich im Leben steht und doch mit ihrer Situation nicht fertig wird. Sie ist nicht in der Lage für sich und ihre Kinder Verantwortung zu übernehmen. Zum schrecklichen Ende flüchtet Cathy in ihr Brautkleid, als könne es mit seiner Reinheit sie vor Jeffs Übergriffen schützen. Es scheint das unheilvolle Zusammentreffen von Menschen zum falschen Zeitpunkt zu sein, die sich in einem Geflecht von Abhängigkeiten verwickeln. Jeff scheint zu handeln und löst eine Katastrophe aus, die dem Leser von Anfang an bewusst ist. Paule Constante vermag es den Leser in diese Geschichte von Schuld und Unschuld hineinzuziehen und bis zum letzten Satz nicht mehr loszulassen. Eine verstörende Lektüre.
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