REZENSION

von Karin Hahn

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BELLETRISTIK

Willa Cather: Meine Antonia, Albrecht Knaus Verlag, München 2008, 320 Seiten, €19,95

Es ist die Zeit der Besiedlung Amerikas. Europäische Einwanderer, ob Böhmen, Schweden, Norweger, Russen oder Deutsche, siedeln sich im ländlichen Nebraska an. Hier hat auch Willa Cather ihre Kindheit verlebt, hier spielt ihr Roman, den sie 1918 beendete. Willa Cather hat ein Epos über die Besiedelung und Urbarmachung des amerikanischen Herzlands geschrieben.

Jim Burden erinnert sich an Antonia, die vier Jahre älter ist als er und an ihre Familie, die Shimerdas. In einer Erdhöhle haben sie gelebt, unter harten, quälenden Bedingungen im Winter und einem sonnengleissenden Himmel im Sommer unweit des Ortes Black Hawks Jim und die starke Antonia freunden sich an. Er bleibt der eindrucksvolle Erzähler ihrer Geschichte. Berichtet von ihrer komplizierten Lebensweise, der unauslöschlichen Familientragödie, dem Heimweh und der Emanzipation des Mädchens und ihrer späteren eigenen Familie. Und immer wieder werden die natürlichen Gegebenheiten, die Schönheiten und Schrecknisse des Landes so geschildert, dass kein Zweifel bleibt, in welche große Ordnung sich die einzelnen Menschenschicksale fügen müssen. Kraftvoller und epischer kann man nicht über ein schweres Leben erzählen, wo es ums Überleben, aber auch um die Glückssuche im neuen verheissungsvollen Land Amerika geht.

"Ich hatte mich nicht geirrt. Sie war jetzt eine vom Leben gezeichnete Frau, kein hübsches junges Mädchen mehr; doch sie besaß noch immer dieses Etwas, das die Vorstellungskraft in einem schürt, sie konnte einem noch immer für eine Sekunde den Atem rauben, mit einem Blick oder einer Geste, die enthüllten, welche Bedeutung in ganz gewöhnlichen Dingen steckte. Sie brauchte nur im Obstgarten zu stehen, ihre Hand auf einen kleinen Wildapfelbaum zu legen und zu den Äpfeln hochzublicken, um einen spüren zu lassen, wie gut es war, zu pflanzen, zu pflegen und schließlich zu ernten."

Einfach scheint Willa Cathers Geschichte der Antonia Shimerda, die aus dem alten Europa in die Weite des mittleren Westens kommt. Atemlos liest man ihre Geschichte und wünscht ihr nur das Beste.

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